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Nikolaus Nikoll



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Die Online-Szene für "Coachings für Coaches" explodiert geradezu während Corona.



Aktuell sind große Akteure am Markt, die in extrem professionell gestalteten Werbebotschaften "sechs- oder siebenstellige Umsätze" versprechen. Sie verkaufen Coachingpakete - an Coaches. Die neue Branche – und die Verkaufstechniken der Akteure – analysiere ich hier.









Ein neues Business ist groß im Kommen: Coaches, die online Hilfestellung bei der Lösung eines bestimmten Problems anbieten. Dabei, dein Haustier zu trainieren. Oder dabei, selbstbewusst durchs Leben zu gehen. Die Themen sind unbegrenzt. Coach ist ein cooler Job: Man ist positives Vorbild, kriegt Geld dafür, anderen zu sagen was sie tun sollen, und erntet – im Idealfall – auch noch Dankbarkeit und Respekt.

Via Web und Social Media kann man als Coach wichtige Inhalte in Videobotschaften kostengünstig publizieren, und das eigene Angebot hocheffizient online bewerben. Man kann soziale Dynamik erzeugen, indem man Interessenten und Coachees in Webinaren, Facebookgruppen, WhatsApp Gruppen u. ä. bündelt.

Daraus ergeben sich gute Verdienstchancen. Für Experten, die über fundiertes Fachwissen verfügen. Die wissen, wie man seine eigenen Skills gut online monetarisiert – in gut vermarktbare Beratungspakete verpackt.


Als Folge hat sich die Königsdisziplin des Coachings neu etabliert: Als Coach unterstützt man Experten, ihre "Positionierung" klar zu definieren, ihr Angebot verkaufstechnisch attraktiv aufzubereiten, und es dann auch noch lukrativ an den Mann zu bringen. Coachings für Coaches also – als spezielle Nische, oder Meta-Business!

Auf der Website eines deutschen "Coachings für Coaches" Anbieters, nennen wir ihn X, habe ich ein Referenzvideo für seinen Erfolg angesehen: Eine seiner Coachees coacht wiederum Ernährungscoaches. X muß sich nur noch von einem Ernährungscoach coachen lassen, um den Kreis zu schließen ;-)


Zusammengefasst: Eine neue Branche entsteht. Deren Inhalt: Hocheffizient und mit zeitgemässen Mitteln unterschiedliche Probleme lösen, damit es allen besser geht. Sehr cool. Die Dynamik ist enorm.

Aber einige Branchenteilnehmer erleichtern – mit gleichermaßen effektiven wie moralisch fragwürdigen Verkaufspraktiken – Branchenneulinge systematisch um ihr Geld.


So kannst Du die gängigste – möglicherweise als manipulativ empfundene – Verkaufstechnik unkompliziert entschärfen:

Du wirst unverfänglich zu einem "90-minütigen Strategiegespräch" eingeladen. Gratis-Beratung klingt ja soweit super. Zu Beginn des Gesprächs erfolgt jedoch schon die entscheidende Wendung: Der "Strategieberater" sagt einen Satz wie:
"Ich werde Dir am Ende des Gesprächs ein Angebot unterbreiten, und möchte daß Du dich noch in diesem Gespräch dafür oder dagegen entscheidest."
Warum solltest Du an dieser Stelle nicht einfach "Ja, ok" sagen? Weil das Angebot typischerweise sehr vorteilhaft für den _Verkäufer_ gestaltet ist, und Du eine impulsive Entscheidung deinerseits – möglicherweise beeinflusst durch mehrfachen Konsum der gleichen "get rich quick" Werbestatements – vielleicht später bereuen könntest.


Eine der folgenden Antworten stärkt jetzt Deine Position im Gespräch:
  • "Versuchst Du gerade, ein Strategiegespräch in ein Verkaufsgespräch umzuwandeln?" Dann ist der Stratege schon mal offiziell als Verkäufer entlarvt.
  • "Ich committe mich vorerst zu gar nichts. Machen wir mal mit dem Strategiegespräch, das ihr angeboten habt, weiter."
  • Wie schnell ich mich entscheide, sag ich Dir, sobald ich dein Angebot genau angehört habe.
Falls Du Dir jetzt genau anhörst, wie Du durch die Vermarktung deiner eigenen Onlinecoachings schnell reich wirst, und auf das Angebot eingehen möchtest: Der Vertrag wird gerne zügig direkt im Zoom-Call abgeschlossen, und wenn Du als Unternehmer agierst gelten andere Regeln und eigene Gesetze. Das EU-weite Onlinekauf-Rücktrittsrecht gilt aber nur für Konsumenten.







Ich habe die Szene gründlich analysiert und eine unterhaltsame Story daraus gemacht. Lesedauer: 4 Minuten. Lies einfach weiter.






Wie man Manipulatoren manipuliert

oder

"Ich werde Dir in diesem Gespräch noch ein Angebot machen"



Offenbar bin ich in einer Filterblase gefangen. Facebook zeigt mir nur mehr Werbung von "Coaches für Coaches". Offenbar kann ich auf einfache Weise als selbständiger Coach sechs- oder siebenstellige Umsätze generieren. Die Werbung ist gut gestaltet und abwechslungsreich: Die Anbieter - offenbar meine Vorbilder - haben stylishe Outfits, dicke Uhren und gute Autos. Mercedes und Maserati sind hier klar im Trend ;-)

Siebenstellig klingt nicht schlecht, ich bin ja bis jetzt selbst nur auf sechsstellig gekommen, durch jahrzehntelange harte Arbeit für seriöse Kunden. Ich werde neugierig. Was soll ich denn anbieten? Nach kurzer Recherche ist es klar: Hochpreisige Coachingpakete, mit denen man ein konkretes Problem einer konkreten Zielgruppe löst.

Ich erinnere mich – bis vor kurzem mußte man für den schnellen Erfolg laut Werbetrends noch eine Online Marketing Agentur gründen, oder bei der Digitalisierung unterstützen. Im Vergleich dazu ist so ein Coachingpaket schnell geschnürt. Ziemlich coole Sache! Also nichts wie ran an den Speck!

Ein Anbieter weckt meine Aufmerksamkeit: Ein junger Mann in elegantem Businessoutfit; löst laut eigener Werbeaussage ein spezifisches Problem vieler: Verzweiflung und Unzufriedenheit aufgrund von Kundenmangel! Ich habe zwar genug Kunden – erlaube mir sogar, Kunden abzulehnen, deren Werte nicht zu meinen passen – aber ich denke an einen Maserati vor der Haustür. Yeah, geschafft – endlich steigen Gefühle Verzweiflung und Unzufriedenheit in mir hoch. Via Website-Kontaktformular bewerbe ich mich für ein Erstgespräch.

Ich lande in einem Zoom-Meeting mit einem jungen Verkäufer, der sich in einem billig eingerichteten Raum befindet. Warum bloß stehen im Hintergrund seine Laufschuhe herum? Wahrscheinlich ein digitaler Hochgeschwindigkeitsnomade, denke ich mir. Soweit so gut. Er empfiehlt mir, Webdesign an Musikschulen zu verkaufen. Meine Nachbarin ist gerade zu Besuch und hört latent mit. Sie ist Kunstlehrerin, genießt gerade ihre mehrmonatigen Sommerferien, und fragt mich, welche Musikschule schon jemals nennenswerte Budgets für eine Webpräsenz hat. Ich habe keine Ahnung - wahrscheinlich ein Mindsetproblem meinerseits.



Trotz langem Überlegen habe ich noch immer kein Coachingpaket geschnürt, das ich sechs- bis siebenstellig verkaufe. Im zweiten Lockdown werden die Werbebotschaften intensiver. Habe ich nicht kürzlich die Werbung eines Coachinganbieters gesehen, der in einem Privatjet, auf dem Weg zu seiner Privatinsel, sein Angebot via Facebookvideo an mich bewirbt? Oder war es nur ein Traum von meiner eigenen beruflichen Zukunft?

Wie auch immer - die Gier packt mich. Wieder bewerbe ich mich für ein Erstgespräch. Ich bin diesmal gut vorbereitet, habe aus dem Dienstleistungsportfolio meines Unternehmens 7 Pakete geschnürt. Das Büro des Anbieters befindet sich laut Website in Berlin. Ich lande im Homeoffice eines netten jungen Verkäufers in Koblenz. Wir unterhalten uns gut, aber als wir zur Planung meines Angebots kommen, wird es leider schnell schwierig: Produkte oder Dienstleistungen verkaufen sich nicht – mein Angebot muß genau ein konkretes Problem einer konkreten Zielgruppe lösen. Das ist dann, sagt er ganz klar, eine "echte Positionierung". Meine Vergangenheit hat mich leider zu einem extrem störrischen Charakter geformt, der die banalsten Sachverhalte hinterfragt, und ich erlaube mir die Frage: "Warum sind andere Positionierungen, zB geografisch oder nach Branchen, unecht?" Er gibt auf – Ich bin ein spezieller Fall, diese Frage kann nur der Chef – der Positionierungs-Hauptverantwortliche – beantworten. Ich bin hier "nur" beim Spezialisten für Onlinewerbung gelandet. Der Chef ist gerade auf Bali. Auch nicht unlässig ;-) Wir terminisieren einen Zoom-Call, Termin ist direkt nach meinem Urlaub. Ein Businesspartner von mir plant gerade 1 Jahr Bali – ganz klar eine Corona-Trend-Destination. Ich packe die warmen Winterklamotten zusammen, und fahre mit der Liebsten und ihrer Katze ins niederösterreichische Waldviertel. Dort ists saukalt.






Ich war vor einigen Tagen mit einem sehr erfolgreichen Akteur 100 Minuten im Zoom-Call. Sein Sales-Funnel ist NLP pur. Evil-Mastermind-Story coming soon ;-)

Was hat es zu bedeuten, wenn ein Anbieter mit "14.000 verkauften Expertenbüchern" wirbt, ich das betreffende Buch aber gerade um einen Kaufpreis von 0 € + 7 € Versandkosten von ihm bekommen habe?

Ist es moralisch vertretbar, die 1:1 Strategie/Verkaufsgespräche selbst als Gratiscoaching für Onlinemarketing verwenden?

Diese Story wird laufend aktualisiert.
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Seit 1998



Ich bin seit 23 Jahren selbständig mit Online Marketing, Web Design und Web Development. Meine Kunden sind renommierte österreichische Unternehmen jeder Größe – von der One-Man Show bis zum Ministerium.